Im Wintersemester 2009/2010 fand im Rahmen der bundesweiten Proteste zum Bildungswesen auch in Kaiserslautern für eine Woche der Bildungsstreik statt. Auch wenn der lokale Streik nur vergleichsweise wenig Zuspruch aus der Studierendenschaft fand, wurde er doch von Seiten der Hochschullehrer und der Hochschulleitung positiv aufgenommen.
Die Probleme der TU Kaiserslautern mögen nicht dieselben sein wie anderswo und vielleicht ist die Studiensituation in Kaiserslautern auch generell besser als von den Aktiven des Bildungsstreiks vermutet. Doch möglicherweise beherrscht die Apathie die mentale Einstellung, vielleicht ist der Egoismus in den Köpfen so verankert, dass niemand sich für abstrakte Ziele wie die des Bildungsstreiks einsetzen möchte.
Der Bildungsstreik war unglaublich erfolgreich Zustimmung und Lob von praktisch allen beteiligten Gruppen zu erhalten. Politik, Hochschulleitungen und Professoren stimmten unisono den Forderungen und Feststellungen der Studierenden zu. Gespräche auf höchster Ebene wurden einberufen, Absichtserklärungen und guter Wille gingen durch die Presse. Es bewegt sich etwas. Wirklich?
Die Bundesregierung hat ihre Mittel für den Bildungsbereich erhöht, doch diese fließen fast ausschließlich in die Forschung. Die nach der Föderalismusreform allein zuständigen Länder haben in der Kultusministerkonferenz (KMK) Änderungen an den Strukturvorgaben zur Akkreditierung von Studiengängen verabschiedet. Ein neuer Dialog entstand zwischen Hochschulleitungen und Studierendenvertretern. Doch was hat sich geändert?
Mit ziemlicher Sicherheit können wir feststellen, dass die mangelnde Finanzierung der Lehre nicht über Nacht enden wird. Die in der Bologna-Erklärung gewünschte Verbesserung der Betreuungsrelation und –intensität ist nicht zu erwarten. Kaum jemand spricht zu konkreten Veränderungen der hier zuständigen Kapazitätsverordnung (KapVO) – lediglich die Liberalen Hochschulgruppen fordern die Abschaffung dieser, doch ohne Konzept wie dadurch die Lehre verbessert werden soll.
Die Beschlüsse der KMK werden noch Jahre brauchen, bis sie in den Hochschulen Anwendung finden. Womöglich stellen sie sogar ein Hindernis zur Etablierung guter Lehre dar, führt die dauernde Änderung der Rahmenvorgaben ja wieder zu einem neuen Reformzwang. Einer Phase der Ruhe würde den Hochschullehrern hingegen Zeit geben, in der realen Welt ihre Lehrveranstaltungen durch Erfahrungswerte zu verbessern.
Bleibt der Dialog in den Hochschulen: Hier herrscht für uns der Status Quo. In Kaiserslautern war der Weg zur Hochschulleitung immer kurz, ein Gespräch immer zu bekommen. Auch die Themen sind nicht neu. Die Arbeit in den Gremien hat sich kaum geändert. Doch die Wirkung ist verpufft – das Engagement der Aktiven des Bildungsstreiks ist ob des Mangels an Beteiligung und Zustimmung aus der Studierendenschaft verloren gegangen. Die Ideale und Träume sind verbraucht.
Wieso sollten sie sich auch für etwas einsetzen, was hier niemand mag? Wieso die Zeit Opfern?
Am 9. Juni 2010 fand der Auftakt zum Bildungsstreik im Sommer statt. Nicht in Kaiserslautern.

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