Ein Kommentar
Liebe Wähler Studenten,
alljährlich finden an unserer Hochschule im Januar die Gremienwahlen statt. Die TU Kaiserslautern unterscheidet sich in diesem Bezug überhaupt nicht von anderen Hochschulen, da auch bei uns mit knapp um die 10% Wahlbeteiligung der urdemokratischste Prozess der Wahlen kläglich versagt.
Sind die Studenten von heute einfach nur weniger an Politik interessiert, wissen sie nicht, dass sie ein Mitspracherecht auch an der Hochschule haben? Oder ist es einfach so, dass zwischen Seminar, Labor, Vorlesung und Mensa die Aufrufe zur Wahl von Wahlleitung, Listen und Hochschulgruppen einfach untergehen? Sind Wahlen zu Studierendenparlament, Fachbereichsräten und akademischem Senat zu unpersönlich, so dass Kandidaten, die nicht direkt bekannt sind, unwählbar erscheinen?
Tun die zur Wahl anstehenden Listen zu wenig, um auf sich und ihre Arbeit hinzuweisen, oder interessiert sich generell nur eine Minderheit der Studierenden für die Hochschulpolitik und Arbeit der Gremien?
Werden die Wahlen boykottiert, da der Eindruck des linksradikalen AStA auch heute noch lebt? Warum finden dann Rechte oder Liberale Hochschulgruppen genauso wenig Zuspruch? Oder bleibt es bei der alten Vermutung, dass Wahlen nur der gewinnen kann, dessen Liste möglichst viele Fachbereiche enthält und somit mögliche Wähler persönlich anspricht?
Die Gremien und Organe der Studierendenschaft und Universität, deren Mitglieder in freier Wahl von allen Studierenden gewählt werden sollten, sind kein Aufenthaltsort für Leute, die sich einfach nur profilieren wollen und den Lebenslauf schönen möchten. Wenn Sitzungen eines Studierendenparlaments bis in die frühen Morgenstunden andauern, dann ist das kein Zeichen von Systemversagen, sondern zeigt vielmehr den engagierten Geist des demokratischen Prozesses!
Natürlich brauchen wir Vertreter, denn nicht jeder Student kann sich in komplizierte und umfangreiche Themengebiete wie Studienreform, Qualitätsmanagement an der Hochschule, Leitbild und Haushalt gleichermaßen einarbeiten. Auch die Betreuung von Minderheiten mit ihren ganz speziellen Problemen seien es die Hürden der deutschen Bürokratie für Ausländer, die Fragen zum Coming-Out homosexueller Kommilitonen oder die richtige Formulierung des Härtefallantrags all dies und mehr ist Service von Studenten für Studenten. Doch wird dieser ohne Legitimation weiter existieren können?
Mit übervollen Hörsälen, technischer Ausstattung aus der Steinzeit des Informationszeitalters, überforderten Lehrenden und noch hilfloseren Mitarbeitern ist es nicht wieder an der Zeit auch als Studierende uns ein Stück an den Geist und Zusammenhalt unserer Elterngeneration vor nunmehr 40 Jahren zu erinnern? Ist unserer Generation der Handlungswille abhanden gekommen? Sind wir Studenten denn überhaupt noch eine Gruppe, die sich von der Bevölkerung absetzt, die einen Weg eingeschlagen hat zu einem höheren Ziel:der Bildung und Weiterentwicklung unserer Gesellschaft und Kultur? Oder sind wir doch nur Menschen auf einer Zwischenstation zur 40-Stunden-Woche einer Position in Wirtschaft oder Industrie?
Verantwortung für andere zu übernehmen, neue Ideen zu verwirklichen oder alte weiterhin leuchten zu lassen, all dies sind Dinge, die eine kleine Gruppe von engagierten Kommilitonen Kriegsgefährten für eine meist apathische Mehrheit der Studierenden umsetzen.
Wieso schaffen wir es nicht einmal ein einziges Mal im Jahr zu den Wahlen ihnen den Dank mit unserer Stimme auszusprechen?

Jan Olbrecht

Referent für Hochschulpolitik im AStA der TU Kaiserslautern und Wahlleiter der Wahlen zum 39. Studierendenparlament

One Response to “Die demokratische Hochschule”
  1. Hört, hört !!!

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